Aller Anfang ist schön
"Ich bin PTA aus Leidenschaft!"
Eine PTA und ihre Kochhühner
Als PTA ins Ausland, Interview mit Jutta Brielich
Eine PTA auf hoher See
Eine PTA auf der Baustelle
Fußball ist mein Leben
Aller guten Dinge sind drei
Bauchtanz ist Gefühl

Interview mit Jutta Brielich, ADEXA
Jutta Brielich (53) ist seit 1978 PTA, lebte und arbeitete zwei Jahre nach ihrer Ausbildung jahrelang in Kanada und Australien, jedoch nicht als PTA. Sie war unter anderem als Köchin tätig, weil es schwierig ist, im Ausland die Anerkennung für eine in Deutschland absolvierte PTA-Ausbildung zu erhalten. Aus diesem Grund setzt Sie sich seit über 20 Jahren als ehrenamtliches Mitglied bei der Apothekengewerkschaft für einen europaweit einheitlichen Ausbildungsstandard ein und sprach mit „pia“ über die verschiedenen Ausbildungsformen und den Arbeitsalltag in einigen europäischen Ländern.
Frau Brielich, seit wann engagieren Sie sich bei ADEXA und warum?
Ich dachte immer ein Berufsverband ist wichtig, da sollte man dabei sein. Irgendwann bin ich dort einfach mal hingegangen und habe mein Engagement angeboten- das ist jetzt schon über 20 Jahre her.
Was genau ist Ihre Aufgabe bei ADEXA?
Ich bin Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen, das heißt ich bin die Ansprechpartnerin für dieses Bundesland und im Beirat tätig.
Bitte skizzieren Sie die Unterschiede in der PTA Ausbildung innerhalb Europas
Die Unterschiede sind sehr gravierend: in England braucht man beispielsweise gar keine Ausbildung, man kann einfach nach der Schule in einer Filiale von „boots“, der Größten Apotheken-Kette, anheuern und darf sich dann nach einer gewissen Zeit PTA nennen. Hier gibt es nur wenige „normale“ Apotheken. „boots“ bildet mittlerweile zwar auch PTA aus, jedoch ist das nicht vergleichbar mit der Ausbildung in Deutschland: hier wird neben der Arbeitszeit ab und an mal ein Seminar angeboten, das war’s dann aber auch schon. Die Apotheken sehen eher aus wie ein Drogeriemarkt, fast alle Produkte gibt es in der Freiwahl, in der sich die Kunden direkt bedienen und anschließend zur Kasse gehen. Ich kenne viele, die nach England gegangen sind und nach einer Weile in eine andere Branche gewechselt haben, weil sie keine Lust hatten, Drogerieartikel zu verkaufen.
Lediglich in den Krankenhausapotheken ist der Ausbildungsstandard in England (und Irland) hoch. Hier müssen sich die PTA hocharbeiten durch die verschiedenen Lernstufen, und wer hier tätig ist, übernimmt ganz andere Verantwortungsbereiche als in der öffentlichen Apotheke.
Dänemark hingegen ist schon sehr fortschrittlich, aber das System ist etwas anders als bei uns. Die PTA werden in Blöcken ausgebildet, einmal an der Schule und einmal im Betrieb. Die Ausbildung soll in Dänemark sogar dahingehend ausgebaut werden, dass die PTA einen Master-Abschluss erlangen können, etwas was ich mir auch für Deutschland wünschen würde.
Zwischen den Extrembeispielen England und Dänemark gibt es tausende Varianten, es ließe sich wohl ein ganzes Buch darüber schreiben.
In Österreich, Italien und der Schweiz existiert der PTA Beruf gar nicht. In Italien und der Schweiz gibt es einen Beruf der ähnlich dem der PKA in Deutschland ist, Österreich bildet Apothekenhelfer aus. Die Beratung der Kunden übernehmen in diesen Ländern hauptsächlich Apotheker. Deren Ausbildung ist im übrigen in allen europäischen Ländern vergleichbar, das Studium ähnelt sich sehr stark und man kann problemlos überall den Beruf des Apothekers ausüben.
Wie sehen die einzelnen Aufgabenschwerpunkte der PTA im europäischen Vergleich aus?
Von Wattestäbchen verkaufen, Filme annehmen und kassieren bis zur qualifizierten Beratung.
Die wenigsten Länder verfügen über Apotheken mit eigener Rezeptur. Die Produkte werden meist industriell hergestellt und wenn einmal etwas angerührt wird bedeutet das oft, dass zwei Fertigprodukte vermischt werden. In ganz Dänemark haben von insgesamt 100 Apotheken nur noch zwei-, in Ungarn hingegen hat jede Apotheke eine Rezeptur, ungefähr so wie in Deutschland vor 30 Jahren.
Welches sind die beliebtesten Länder?
Die meisten PTA wollen trotz der eher mäßigen Jobchancen nach England oder Irland, um die Sprache besser zu lernen. Einige interessieren sich auch für einen Job in Frankreich. Die wenigsten sprechen eine skandinavische Sprache, weswegen die Anfragen für diese Länder eher seltener sind. Das A und O ist natürlich, dass man die Sprache fließend beherrscht!
Welche Probleme sehen Sie für PTA die ins Ausland wechseln möchten?
Viele haben sehr romantische Vorstellungen vom Arbeiten im Ausland und sind enttäuscht, wenn es dann anders ist. Wer in seinem Lieblingsurlaubsland arbeiten möchte, wird sich wundern- denn mit Urlaub hat der Job rein gar nichts zu tun. Das liegt zum einen daran, dass der Verwaltungsaufwand im Vorfeld sehr hoch ist: in Dänemark muss man sich zum Beispiel sein Zeugnis übersetzen lassen. In Frankreich ist es recht problemlos sich die deutsche Ausbildung anerkennen zu lassen. Auf Mallorca werden deutsche PTA gesucht, auf dem spanischen Festland ist es hingegen wesentlich schwieriger- auch was die Lebensbedingungen angeht.
Die Arbeits- und Urlaubszeiten sind anders und oft länger, die Bezahlung ist meist nicht so gut, wobei dies natürlich auch vom individuellen Verhandlungsgeschick der PTA abhängt. Dennoch lautet mein Rat: Wer mal ein halbes Jahr Auslandserfahrung sammeln will, sollte sich lieber einen anderen job suchen.
Wie bewerten Sie die PTA-Ausbildung in Deutschland im europäischen Vergleich?
Die PTA-Ausbildung in Deutschland liegt auf jeden Fall im oberen Drittel, wenn man nicht gerade den Vergleich mit England anstrebt. PTA ist anderswo in Europa wie bei uns ein reiner Frauenberuf, mit hoher Fluktuation. Viele werden schwanger, setzen für die Familie ein paar Jahre aus und kommen dann wieder oder aber sie machen eine Umschulung.
Wie sind die Pläne von ADEXA für einen einheitlichen PTA-Ausbildungsstandard?
Die PTA Ausbildung sollte 3 Jahre dauern, so dass auch ein Master-Abschluss denkbar ist. Adexa arbeitet zusammen mit dem bvpta in einer eigens gegründeten Arbeitsgruppe daran, den Ausbildungsstandard auf dieses Niveau zu aktualisieren und den heutigen Erfordernissen anzupassen.
Info Kasten:
Die Berufsverbände ADEXA und bvpta können Sie unter
www.adexa.de/pta (Ansprechpartnerin Ingrid Heberle)
www.bvpta.de




